Gebrauchtwagen-Check: Komplette Checkliste gegen Betrug und versteckte Schäden (2026)
Gebrauchtwagen-Checkliste: Bereitschaftstests, Fehlercodes, Live-Daten, Sichtprüfung und Verhandlungstipps. Mit EU-Käuferschutz.
Das erste Auto, das ich für jemand anderen geprüft habe, war ein 2014er Golf TDI. 78.000 km, €11.500, auf mobile.de inseriert. Sah auf den Fotos top aus. Sah in echt top aus. Ich habe den Scanner angeschlossen, null Codes gezogen und hätte fast gesagt: sauber. Dann habe ich die Bereitschaftstests geprüft: alle acht auf "nicht bereit." Jemand hatte die Codes weniger als einen Tag vorher gelöscht. Ich habe dem Käufer gesagt, Finger weg. Er hat nicht gehört, das Ding trotzdem gekauft und hatte innerhalb von sechs Wochen eine DPF-Reparatur für €1.800.
Genau solche Geschichten soll dieser Guide verhindern. Ein Gebrauchtwagen-Check ist keine Paranoia. Er ist der Unterschied zwischen einem Auto kaufen und das Problem von jemand anderem kaufen. Und du musst kein Mechaniker sein, um einen gründlichen Check durchzuführen. Du brauchst deine Augen, deine Nase, ein paar günstige Werkzeuge und etwas Wissen darüber, was der Bordcomputer dir eigentlich sagen will.
Was du mitbringen solltest
Du brauchst keinen rollenden Werkzeugwagen. Das hier reicht: dein Handy (für Fotos und Notizen), einen OBD2-Bluetooth-Adapter, eine kleine Taschenlampe und einen Reifendruckprüfer. Mehr nicht. Wenn du eine Diagnose-App wie Skanyx auf dem Handy hast, bist du den meisten Käufern schon weit voraus.
Ein Fehler, den viele machen: den OBD2-Adapter nicht bei laufendem Motor einstecken. Verbinde ihn bei ausgeschalteter Zündung, dann dreh den Schlüssel auf ON (oder drück den Startknopf ohne Fuß auf der Bremse bei Keyless-Go-Autos). So ziehst du die gespeicherten Daten sauber, bevor der Motor beim Starten alles mit frischen Werten überschreibt.
Bring jemanden mit, wenn es geht. Nicht zur moralischen Unterstützung. Für ein zweites Paar Augen. Es ist erstaunlich leicht, einen Farbunterschied oder einen merkwürdigen Geruch zu übersehen, wenn man von einem Auto begeistert ist.
Fang mit Augen, Ohren und Nase an
Fakt ist: Ein OBD2-Scan kann dir über die meisten Dinge, die einen Gebrauchtwagen zum Albtraum machen, nichts sagen. Er sieht keinen Rost. Er fühlt keine abgefahrenen Bremsbeläge. Er riecht den Schimmel nicht, der seit der Überschwemmung vor zwei Jahren unter dem Teppich wuchert. Der Diagnosescan ist mächtig, aber er ist eine Ebene der Prüfung, kein Ersatz für die Sichtprüfung.
Das Äußere
Geh langsam um das Auto herum, am besten bei Tageslicht. Du suchst nach Spaltmaßen, die nicht zusammenpassen: eine Tür, die etwas höher sitzt als die gegenüberliegende, ein Kotflügel, der ein paar Millimeter weiter vorsteht als sein Pendant. Das sind Zeichen dafür, dass das Auto in einen Unfall verwickelt war und Karosserieteile getauscht oder nachgezogen wurden.
Schau dir den Lack aus flachem Winkel an. Hat ein Teil einen leicht anderen Farbton als das daneben? Neulack auf einem einzelnen Teil bedeutet fast immer Unfallreparatur. Fahr mit der Hand entlang der Kanten von Motorhaube, Kofferraum und Türen. Werkslack ist glatt und gleichmäßig. Nachlackierte Teile fühlen sich oft minimal anders an, besonders um Kanten und an Unterseiten.
Wer regelmäßig Autos kauft oder etwas über €15.000 anschaut, für den lohnt sich ein Lackschichtdickenmessgerät (€30-€80). Es misst die Lackdicke in Mikrometer: Werkslack liegt typischerweise bei 100-140 Mikrometer. Nachlackierte Teile zeigen 200+ Mikrometer. Es macht aus "ich glaube, dieses Teil sieht anders aus" ein "dieses Teil wurde nachlackiert, hier sind die Daten." Deutsche Autoforen nennen das Ding auch einfach "Lackprüfer."
Prüf die Reifen. Ungleichmäßiger Verschleiß auf einem einzelnen Reifen deutet auf Spurprobleme hin, was wiederum auf verbogene Fahrwerkskomponenten durch einen Aufprall hinweisen kann. Wenn alle vier Reifen nagelneu sind bei einem Auto, das angeblich keinen Unfall hatte, frag dich warum. Check die DOT-Nummer auf der Reifenflanke (4-stellige Zahl, z.B. 2419 = Woche 24 von 2019). Nagelneue Reifen auf einem "Wenigfahrer-Auto"? Frag, warum die Originalen getauscht werden mussten.
Schau dir jede Scheibe an. Werksglas trägt ein Logo mit dem Herstellernamen. Wenn ein Fenster eine andere Marke hat, wurde es getauscht. Das muss nichts Schlimmes heißen (Steinschlag passiert), aber es ist notierenswert, besonders wenn der Verkäufer behauptet, das Auto sei nie beschädigt worden.
Unter der Motorhaube
Motorhaube auf und erst mal nur schauen, bevor du irgendwas anfasst. Sind die Flüssigkeiten auf dem richtigen Stand? Öl sollte zwischen den Markierungen auf dem Peilstab sein. Kühlmittel sollte bei kaltem Motor an der Maximallinie stehen. Getriebeöl (bei Autos mit Peilstab dafür) sollte rosa-rot sein, nicht braun oder verbrannt riechen.
Schau dir Riemen und Schläuche an. Risse, Ausfransen oder Aufquellen bedeuten, dass sie getauscht werden müssen. Kein Dealbreaker, aber ein Verhandlungspunkt. Prüf die Batteriepole auf starke Korrosion. Schau dir die Kabelbäume an: korrodierte Stecker oder grünlich verfärbte Kabel an ungewöhnlichen Stellen können auf Wassereintritt hindeuten.
Apropos Wasser: Wenn du Wasserflecken hoch im Motorraum siehst, an der Spritzwand oder rund um den Sicherungskasten, dann sei äußerst vorsichtig. Hochwasserautos werden öfter weiterverkauft, als man denkt, und die elektrischen Probleme, die sie entwickeln, nehmen kein Ende.
Der Innenraum
Setz dich ins Auto und atme einfach einen Moment lang. Ich meine das wörtlich. Wie riecht es hier?
Ich mache mir inzwischen zur Gewohnheit, eine volle Minute bei geschlossenen Fenstern im Auto zu sitzen, bevor ich irgendetwas einschalte. Bei einem 2016er Audi A3, den ich geprüft habe, war da ein leichter süßlicher Geruch, den ich anfangs nicht einordnen konnte. Kein Lufterfrischer. Kühlmittel. Der Wärmetauscher war undicht, und der Geruch war nur wahrnehmbar, wenn das Auto bei geschlossenen Fenstern in der Sonne gestanden hatte. Das ist eine €600-€900 Reparatur, weil bei den meisten modernen Autos das komplette Armaturenbrett raus muss, um an den Wärmetauscher zu kommen.
Ein muffiger, feuchter Geruch deutet auf Wasserschaden oder Schimmel hin. Ein penetranter Lufterfrischer kann etwas überdecken. Zigarettenrauch durchzieht alles und lässt sich praktisch nicht komplett entfernen.
Schalt die Klimaanlage ein und halt die Nase an die Düsen. Schimmelgeruch aus der Klima ist ein weiterer Hochwasser-Indikator oder zumindest ein Zeichen dafür, dass der Verdampferabfluss verstopft ist und das schon länger.
Prüf, ob jeder Knopf, Schalter und jede Bedieneinheit tatsächlich das tut, was sie soll. Fensterheber, Verriegelungen, Spiegel, Sitzverstellungen, Sitzheizung, Schiebedach. Das sind einzeln günstige Probleme, aber sie summieren sich schnell, und sie verraten dir, wie gut das Auto insgesamt gepflegt wurde. Ein Auto mit drei kaputten Innenraum-Funktionen hat vermutlich auch woanders aufgeschobene Wartung.
Schau dir die Pedalbeläge, das Lenkrad und die Sitzwange des Fahrersitzes an. Die nutzen sich in vorhersehbaren Raten ab. Ein Auto mit angeblich 65.000 km sollte kein Lenkrad haben, das auf 10 und 2 Uhr glänzend und glattgeschliffen ist. Das ist ein 190.000-km-Lenkrad. Nicht zusammenpassender Verschleiß ist eines der leiseren Anzeichen für Tachomanipulation. Wer sich speziell in Tachobetrug vertiefen will, inklusive Modul-Kilometerstände und grenzüberschreitende Manipulationsmuster, findet alles in unserem Leitfaden zur Tachobetrug-Erkennung.
Der Diagnosescan
Jetzt lassen wir den Bordcomputer reden. Das ist der Punkt, an dem die meisten Leute bei "gibt es Codes?" aufhören und die wirklich nützlichen Informationen verpassen.
Gespeicherte und aktive Codes
Aktive Codes (auch aktuelle DTCs genannt) bedeuten, dass gerade jetzt ein Problem vorliegt. Gespeicherte Codes sind Probleme, die das Auto in der Vergangenheit erkannt hat, die sich aber möglicherweise von selbst erledigt haben oder nur zeitweise auftraten. Beide sind relevant. Ein gespeicherter P0420 (Katalysator-Effizienz) bedeutet, dass der Kat auf dem Weg nach draußen ist, auch wenn er gerade nicht die Warnleuchte auslöst. Rechne mit €800-€2.200 für diese Reparatur.
Getriebecodes im P0700-Bereich gehören zu den teuersten. Wenn du die siehst, hol dir eine professionelle Einschätzung, bevor du weitermachst. Mehrfache Verbrennungsaussetzer über verschiedene Zylinder (P0300-Serie) deuten auf systemische Motorprobleme hin, nicht auf eine einzelne defekte Zündkerze.
Anstehende Fehlercodes
Das ist einer, den die meisten Käufer nicht kennen. Anstehende Codes sind Probleme, die das Auto einmal erkannt, aber noch nicht bestätigt hat. Stell dir vor, das Auto flüstert über zukünftige Probleme. Das Motorsteuergerät muss einen Fehler mehrfach sehen, bevor es einen bestätigten Code setzt und die Motorkontrollleuchte einschaltet. Ein anstehender Code bedeutet, dass das Auto mindestens einmal etwas Auffälliges registriert hat.
Wenn du bei einem Gebrauchtwagen-Check anstehende Codes siehst, achte darauf. Sie könnten innerhalb einer Woche zu bestätigten Codes werden. Oder auch nicht. Aber sie sagen dir etwas, das der Verkäufer vermutlich selbst nicht weiß, und das ist wertvolle Information.
Bereitschaftstests: Der am meisten unterschätzte Check
Das ist die Prüfung, die einen oberflächlichen Scan von einer echten Inspektion unterscheidet. Das Motorsteuergerät deines Autos führt eine Reihe von Selbsttests durch, die sogenannten Bereitschaftstests (Readiness Monitors). Sie decken den Katalysator, die Lambdasonden, das Verdunstungsemissionssystem (EVAP), das AGR-System und mehrere weitere Subsysteme ab. Jeder Monitor läuft unter bestimmten Fahrbedingungen und meldet sich entweder als "bereit" (Test abgeschlossen, System bestanden) oder "nicht bereit" (Test noch nicht gelaufen) zurück.
Warum das so wichtig ist: Wenn jemand die Diagnosecodes mit einem Scan-Tool löscht, werden gleichzeitig alle Bereitschaftstests auf "nicht bereit" zurückgesetzt. Die Monitore brauchen dann verschiedene Fahrzyklen (manchmal eine Woche oder mehr mit gemischtem Stadt- und Autobahnverkehr), um ihre Tests durchzuführen und wieder auf "bereit" zu springen.
Mal ehrlich: Stell dir dieses Szenario vor. Du scannst ein Auto und findest null Codes. Super, oder? Aber dann schaust du auf die Bereitschaftstests und siehst, dass fünf davon "nicht bereit" zeigen. Bei dem Auto wurden kürzlich die Codes gelöscht, und es wurde nicht genug gefahren, damit die Monitore ihre Checks abschließen konnten. Die vorherigen Codes könnten alles gewesen sein: ein sterbender Kat, ein defekter Lambdasensor, ein ernstes Abgasproblem. Du hast keine Möglichkeit, das herauszufinden, und genau das ist der Punkt. Der Verkäufer (oder dessen Werkstatt) wollte nicht, dass du so tief schaust.
Klar, ein oder zwei unvollständige Monitore können völlig normal sein. Der EVAP-Monitor ist berüchtigt pingelig und schließt oft nur ab, wenn die Bedingungen exakt stimmen: bestimmter Temperaturbereich, bestimmter Tankstand, bestimmtes Fahrprofil. Bei manchen Fahrzeugen braucht auch der Sekundärluft-Monitor lange. Aber wenn du drei, vier, fünf unvollständige Monitore siehst bei einem Auto, das angeblich regelmäßig gefahren wird, dann hat jemand die Codes gelöscht und gehofft, dass du nicht so genau hinschaust.
Auf motor-talk.de im Gebrauchtwagen-Forum gibt es regelmäßig Threads, in denen jemand von einem inspizierten Auto mit komplett zurückgesetzten Bereitschaftstests berichtet. Jedes Mal teilen sich die Kommentare in "sofort Finger weg" und "der Verkäufer wusste das wahrscheinlich nicht." Die erfahrenen Mitglieder stehen immer im ersten Lager.
Wenn du dieses Muster siehst (keine Codes, aber viele unvollständige Monitore), dann ist der richtige Schritt entweder Finger weg oder den Verkäufer bitten, das Auto ein paar Tage fahren zu dürfen, damit die Monitore abschließen können. Wenn er das ablehnt, hast du deine Antwort.
Das ist einer der ersten Checks, die Skanyx bei einem Gebrauchtwagen-Scan durchführt: wie viele Bereitschaftstests abgeschlossen sind. Wenn null Codes, aber fünf unvollständige Monitore auftauchen, flaggt die App das sofort und erklärt dir, was das vermutlich bedeutet. Kein Rätseln an Rohdaten. skanyx.com/download
Live-Daten: Die Zahlen, die die wahre Geschichte erzählen
Ein reiner Code-Scan sagt dir, was schiefgelaufen ist. Live-Daten sagen dir, was gerade passiert. Hier sind die Parameter, die du vor und während der Probefahrt im Blick haben solltest.
Kraftstofftrims sind vermutlich der einzelne informativste Live-Datenparameter bei einem Gebrauchtwagen-Check. Der Kurzzeit-Kraftstofftrim (STFT) schwankt ständig, während der Motor sein Gemisch in Echtzeit anpasst. Der Langzeit-Kraftstofftrim (LTFT) repräsentiert die gelernte Korrektur über die Zeit. Bei einem gesunden Motor sollte der STFT innerhalb von plus/minus 5% bleiben, der LTFT innerhalb von plus/minus 10%. Siehst du einen LTFT von +15% oder höher, läuft der Motor dauerhaft zu mager, vermutlich wegen Vakuumlecks, einem defekten Luftmassenmesser oder verschlissenen Einspritzdüsen. Das Auto fährt vielleicht jetzt noch gut, aber das Problem wird schlimmer. Motorkühlmitteltemperatur sollte nach einem Kaltstart stetig steigen und sich zwischen 90 und 105°C stabilisieren. Wenn sie überschießt und dann wieder fällt, könnte der Thermostat klemmen. Steigt sie unter normaler Fahrt über 105°C weiter, hast du ein Kühlsystemproblem: könnte alles sein, von einer versagenden Wasserpumpe bis zu einer Zylinderkopfdichtung, die anfängt aufzugeben. Verbrennungsaussetzer sind bei den meisten modernen Autos über Live-Daten abrufbar. Gelegentliche einstellige Aussetzer können bei Motoren mit hoher Laufleistung normal sein, besonders im Leerlauf. Aber siehst du kontinuierliche Aussetzer auf einem oder mehreren Zylindern, ist das ein Problem, egal ob ein Code schon gesetzt wurde. Vergleich die Aussetzer-Zähler über alle Zylinder: sie sollten ungefähr gleich sein. Ein Zylinder, der deutlich mehr aussetzt als die anderen, deutet auf ein Zündspulen-, Zündkerzen- oder Einspritzproblem an genau diesem Zylinder hin.Falls dir ein Diagnosescan während der Probefahrt nach viel klingt: Genau dafür haben wir den Skanyx PPI gebaut. Die App führt dich durch eine geführte Inspektion: erster Code-Scan, 30-Sekunden-Leerlauftest, 2-Minuten-Fahrtest, Beschleunigungstest und abschließender Code-Scan. Dann analysiert die KI alles und erstellt einen Bericht mit Gesamtbewertung (Bestanden, Bedingt bestanden oder Durchgefallen), Reparaturkostenschätzungen und Verhandlungspunkten, die du dem Verkäufer oder deiner Werkstatt zeigen kannst. €24,99 pro Inspektion, oder ein 3er-Pack für €59,99, wenn du ernsthaft auf der Suche bist. skanyx.com/download
Die Probefahrt
Fahr nicht nur einmal um den Block. Du brauchst mindestens 20 Minuten unter verschiedenen Bedingungen: Stadtverkehr, Autobahn, Steigungen wenn möglich und ein paar kräftige Beschleunigungen aus dem Stand. Wenn der Verkäufer eine bestimmte Route vorschlägt, fahr eine andere. Er hat vielleicht eine Strecke gewählt, die das Schlagloch umgeht, das den Fahrwerksknall auslöst, oder die Steigung, die die Schaltverzögerung offenbart.
Mit deiner Diagnose-App, die während der Fahrt läuft, behältst du Kühlmitteltemperatur, Kraftstofftrims und Drehzahl im Blick. Der Motor sollte sauber im Leerlauf laufen. Das Getriebe sollte ohne Zögern, Ruckeln oder Schlupf schalten. Wenn du spürst, dass der Motor während eines Schaltvorgangs kurz höher dreht als erwartet (als hätte das Getriebe kurzzeitig den Kontakt verloren), dann ist das Schlupf, und Getriebearbeit ist teuer.
Hör zu. Radio aus. Du willst den Motor hören, das Fahrwerk, die Bremsen. Ein rhythmisches Klicken in Kurven deutet auf verschlissene Antriebswellengelenke hin. Schleifen oder Quietschen beim Bremsen bedeutet, dass Beläge oder Scheiben fällig sind. Ein Poltern über Unebenheiten weist auf ausgeschlagene Buchsen oder Traggelenke hin. Nichts davon taucht im OBD2-Scan auf, und genau deshalb ist die Probefahrt neben den Daten so wichtig.
Nach der Fahrt noch ein Scan. Vergleich die Ergebnisse mit dem Scan vor der Fahrt. Neue Codes, die während der Probefahrt aufgetaucht sind, sind signifikant: die Fahrt hat die Systeme genug belastet, um Probleme sichtbar zu machen, die im Stehen nicht auffielen. Prüf die Bereitschaftstests nochmal. Wenn einer, der vorher "nicht bereit" war, auf "bereit" gesprungen ist, ist das tatsächlich ein gutes Zeichen: das System hat seinen Test durchlaufen und bestanden.
Fahrzeughistorie prüfen
Zieh einen Historienbericht. In Europa ist carVertical am weitesten verbreitet, mit Abdeckung in den meisten EU-Mitgliedstaaten. In Deutschland sind TÜV- und DEKRA-Prüfberichte der Goldstandard: bei jeder Hauptuntersuchung wird der Tachostand dokumentiert. Fordere diese Unterlagen an. In Belgien ist ein Car-Pass Pflicht beim Verkauf (€10,40). In den Niederlanden prüfst du das NAP-Register über die RDW. Im UK deckt ein HPI Check Finanzierungen, Diebstahl und Totalschäden ab. Wenn das Auto importiert wurde, prüf die Unterlagen aus dem Herkunftsland, nicht nur aus dem aktuellen.
Du suchst nach ganz bestimmten Dingen. Erstens der Kilometerverlauf: er sollte bei jedem erfassten Ereignis stetig ansteigen. Jeder Rückgang (sagen wir 97.000 km bei einem Werkstattbesuch und dann 72.000 km beim nächsten) ist ein klares Zeichen für Tachomanipulation. Für eine detaillierte Anleitung zur Erkennung von Kilometerbetrug, inklusive Modul-Abgleich und grenzüberschreitende Manipulationsmuster, lies unseren Leitfaden zur Tachobetrug-Erkennung.
Prüf auf Schadenstitel. Wirtschaftlicher Totalschaden, wiederaufgebaut, Hochwasserschaden: all das bedeutet, dass das Auto irgendwann als Totalverlust eingestuft wurde oder schwerwiegende Defekte hatte. Ein wiederaufgebauter Titel heißt, jemand hat ein totales Auto repariert. Die Reparaturen könnten erstklassig gewesen sein oder rein kosmetisch. Du hast keine Möglichkeit, das zu wissen. Solche Titel drücken den Wert um 20-40%, also wenn der Preis das nicht widerspiegelt, zahlst du zu viel.
Schau dir die Besitzerhistorie an. Ein Auto, das in drei Jahren vier Besitzer hatte, wird aus einem Grund weitergereicht. Lange Einzelbesitzer-Historien mit regelmäßigen Serviceeinträgen willst du sehen.
Grenzüberschreitende Käufe: höheres Risiko
Deutschland ist der größte Exporteur von Gebrauchtwagen nach Osteuropa. Aber der Strom fließt in beide Richtungen. Sogenannte "Reimporte" sind ein verbreitetes Problem: Ein Auto wird nach Polen oder in die Baltischen Staaten exportiert, dort wird der Tacho manipuliert, und dann kommt es als vermeintliches Schnäppchen zurück auf den deutschen Markt. Die Dokumentation geht bei grenzüberschreitenden Transfers gerne verloren. Servicehefte folgen dem Auto nicht immer. Und die Gelegenheit, den Tacho während des Transits zurückzudrehen, ist gut dokumentiert.
Wer in Litauen, Polen, Lettland oder generell im Baltikum kauft (wo 50-75% der Gebrauchtwagen Importe sind), muss noch genauer prüfen. Aber auch auf dem deutschen Markt: Bei jedem Auto mit ausländischer Vorgeschichte gilt: Unbekannte Historie, bis du sie selbst verifiziert hast.
Was typische PPI-Befunde kosten
| Befund | Reparaturkosten (EU) | Wie OBD2 es erkennt | Wie die Sichtprüfung es erkennt |
|---|---|---|---|
| Katalysator (P0420) | €800-€2.200 | Gespeicherter/anstehender Code, Lambdasondendaten | Rasseln unterm Auto, Schwefelgeruch |
| DPF verstopft (Diesel) | €1.200-€2.500 | DPF-Differenzdruck, Regenerationscodes | Übermäßiger Rauch, schlechte Beschleunigung |
| Getriebeschlupf (P0700-Bereich) | €1.500-€4.000 | Getriebecodes, Drehzahl/Geschwindigkeit-Diskrepanz | Zögern beim Schalten, Ruckeln |
| Vakuumleck (hohe Kraftstofftrims) | €50-€300 | LTFT bei +15% oder höher | Unrunder Leerlauf, Zischgeräusch |
| Kühlsystem (Kopfdichtungsrisiko) | €800-€2.500 | Kühltemperatur-Instabilität, Aussetzer-Codes | Weißer Auspuffrauch, Kühlmittelverlust |
| Bremsbeläge + Scheiben (verschlissen) | €250-€500 pro Achse | Nicht per OBD2 erkennbar | Schleifen, Quietschen, Sichtprüfung |
| Fahrwerk (Buchsen, Traggelenke) | €300-€800 | Nicht per OBD2 erkennbar | Poltern über Unebenheiten, ungleicher Reifenverschleiß |
| Hochwasserschaden | Unberechenbar (€500-€5.000+) | Erratische Sensorwerte, mehrfache DTCs | Muffiger Geruch, Wasserflecken, Korrosion |
Gebrauchtwagen-Check: Methoden im Vergleich
| Methode | Kosten | Was sie abdeckt | Was sie nicht abdeckt | Dauer |
|---|---|---|---|---|
| Eigener Code-Scan (Basis-App + Adapter) | €10-€30 einmalig | Fehlercodes, Freeze-Frame | Bereitschaftstests, Live-Datenaufzeichnung, anstehende Codes (app-abhängig) | 10 Min. |
| Eigener Scan (gute App + Adapter) | €30-€80 einmalig | Alle Codes, Bereitschaftstests, Live-Daten, Aufzeichnung | Herstellerspezifische erweiterte PIDs | 20 Min. |
| Skanyx PPI (geführter Assistent) | €24,99 pro Bericht | Geführter Diagnosescan, KI-Analyse, Leerlauf-/Fahr-/Beschleunigungstests, Foto-Inspektion, teilbarer PDF-Bericht, Verhandlungspunkte | Unterboden-Mechanikprüfung | 15-20 Min. |
| ADAC Gebrauchtwagen-Check | ca. €100 | Visuell, mechanisch, Probefahrt, Flüssigkeiten | Überspringt oft Bereitschaftstests, anstehende Codes, Live-Datenaufzeichnung | 60-90 Min. |
| Freie Werkstatt PPI | €100-€250 | Visuell, mechanisch, Probefahrt, Flüssigkeiten | Überspringt oft Bereitschaftstests, anstehende Codes, Live-Datenaufzeichnung | 60-90 Min. |
| Händler "geprüfter Gebrauchtwagen" | "Inklusive" (im Preis eingerechnet) | Mechanische Grundprüfung | Du kontrollierst nicht den Umfang, der Mechaniker arbeitet für den Verkäufer | Unbekannt |
| Empfehlung: Skanyx PPI + Werkstatt | €125-€275 | Umfassend: Diagnose-KI + mechanischer Experte | Nichts Wesentliches | 60-90 Min. gesamt |
Warnsignale, bei denen du gehen solltest
Manche Befunde sind keine Verhandlungspunkte. Sie sind Ausgangsschilder.
Ein Verkäufer, der sich weigert, dich das Auto prüfen zu lassen, oder der darauf besteht, dass du keinen eigenen Scanner mitbringen darfst, versteckt etwas. Punkt. Es gibt keine harmlose Erklärung dafür, eine Inspektion an einem Auto abzulehnen, für das man Tausende Euro verlangt.
Auf r/UsedCars ist der am häufigsten hochgewählte Rat in jedem "soll ich das Auto kaufen"-Thread: "Mach einen PPI." Der zweithäufigste ist "nein, im Ernst, mach einen PPI." Die Leute, die Reue-Posts schreiben, fangen fast immer an mit "ich habe die Inspektion übersprungen, weil..." gefolgt von einer teuren Lektion.
Mehrere zurückgesetzte Bereitschaftstests in Kombination mit verdächtig null Codes. Wie oben besprochen, bedeutet das fast sicher, dass die Codes kürzlich gelöscht wurden.
Jedes Zeichen von Hochwasserschaden: muffiger Innenraumgeruch, Wasserflecken auf Sitzen oder Himmel, korrodierte Kabelstecker, Schlick oder Sand in Ritzen, die keinen haben sollten, oder Schimmelgeruch aus den Klima-Düsen. Hochwasserautos entwickeln über Jahre hinweg elektrische Probleme.
Schiefe Spaltmaße, Lackfarbe, die zwischen benachbarten Teilen nicht übereinstimmt, oder Schweißspuren an tragenden Strukturen. Das weist auf Unfallschaden hin, und strukturelle Reparaturen bedeuten, dass der Aufprallschutz dauerhaft beeinträchtigt sein kann. Wenn du Zeichen größerer Unfallreparaturen entdeckst, prüf, ob die Airbags getauscht wurden: fehlende Airbag-Markierungen oder nicht passende Verkleidungen um Airbag-Bereiche deuten darauf hin, dass die Airbags ausgelöst haben und möglicherweise nicht fachgerecht ersetzt wurden.
"Gekauft wie gesehen" und deine Rechte
"Gekauft wie gesehen" verdient besondere Aufmerksamkeit. Aber hier ist, was viele Käufer nicht wissen: Wenn du bei einem Händler kaufst (nicht privat), greift in Deutschland das BGB §434 (Sachmangel). Du hast eine gesetzliche Gewährleistung von 2 Jahren. Das heißt, das Auto muss seiner Beschreibung entsprechen und frei von Mängeln sein, die zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht offengelegt wurden. Innerhalb der ersten 12 Monate (seit 2022) liegt die Beweislast beim Händler: er muss beweisen, dass der Mangel zum Zeitpunkt der Übergabe noch nicht bestand, nicht umgekehrt. Danach musst du es nachweisen.
Fakt ist: Viele Händler versuchen, die Gewährleistung mit Formulierungen wie "unter Ausschluss der Sachmängelhaftung" auszuhebeln. Bei gewerblichen Verkäufern ist dieser Ausschluss gegenüber Verbrauchern unwirksam. Lass dich davon nicht abschrecken, deine Rechte geltend zu machen.
Privatkäufe sind anders. Im Privatverkauf kann die Gewährleistung wirksam ausgeschlossen werden. Hier ist dein PPI am wichtigsten, denn sobald das Geld den Besitzer wechselt, sind deine rechtlichen Möglichkeiten auf den Nachweis von Betrug begrenzt (arglistig verschwiegene Mängel, §444 BGB).
Wenn ein Verkäufer sehr darauf besteht, dass der Kauf endgültig ist, sobald du bezahlt hast, überleg dir, was er wissen könnte, das du nicht weißt. Ein "Gekauft wie gesehen"-Privatverkauf ist nicht automatisch Betrug, aber er sollte deine Inspektion umso gründlicher machen.
Mit deinen Befunden verhandeln
Hier zahlen sich die Daten selbst zurück. Wenn deine Inspektion Probleme aufdeckt, hast du jetzt spezifische, dokumentierte Befunde für die Verhandlung. Es geht nicht darum, den Verkäufer kleinlich herunterzuhandeln: es geht darum, das Auto nach seinem tatsächlichen Zustand zu bepreisen, nicht nach seinem inserierten Zustand.
Ein gespeicherter P0420-Code mit Katalysator-Effizienz unter dem Schwellenwert ist €800-€2.200 an Reparaturkosten wert. Ein Satz verschlissener Bremsbeläge mit gerillten Scheiben kostet €250-€500. Reifen mit ungleichmäßigem Verschleiß, die getauscht werden müssen, sind €350-€700. Das sind keine Hypothesen: das sind echte Kosten, die nach dem Kauf auf dich zukommen.
Beste Verhandlung, die ich je gesehen habe: Eine Freundin hat einen kompletten Diagnosescan an einem 2017er BMW 320d gemacht, auf AutoScout24 für €16.500 inseriert. Gefunden: ein gespeicherter P0420, Kraftstofftrims bei +14% (deutet auf ein sich entwickelndes Vakuumleck oder Luftmassenmesser-Problem hin), und die vorderen Bremsscheiben waren gerillt. Sie hat die Scan-Ergebnisse ausgedruckt, dem Verkäufer genau gezeigt, was Sache ist, und €13.800 geboten. Der Verkäufer hat angenommen. Das Diagnosetool hat sie €30 gekostet und ihr €2.700 beim Kaufpreis allein gespart. Für die Bremsen hat sie ca. €400 ausgegeben und beobachtet die Kraftstofftrims weiterhin.
Präsentiere deine Befunde sachlich. "Der Scan zeigt einen gespeicherten Katalysator-Code und die Kraftstofftrims laufen zu hoch. Ich möchte das Auto, aber der Preis muss die ca. €1.500 widerspiegeln, die ich in Reparaturen stecken werde." Die meisten Verkäufer verhandeln, wenn sie mit konkreten Daten konfrontiert werden statt mit vagen Beschwerden. Und wenn sie nicht nachgeben, hast du die Information, die du brauchst, um zu entscheiden, ob das Auto zum Angebotspreis trotzdem lohnt.
Beim Händlerkauf kannst du deine Befunde auch nutzen, um Reparaturen unter der gesetzlichen Gewährleistung zu fordern, statt den Preis zu verhandeln. Leg die dokumentierten Probleme vor und bitte den Händler, sie vor Kaufabschluss zu beheben. Ein Händler, der sich weigert, dokumentierte Mängel vor dem Verkauf zu beheben, schafft sich möglicherweise Haftung nach dem BGB.
Wenn du einen professionell aussehenden Bericht für die Verhandlung brauchst: Skanyx' PPI erstellt ein PDF mit deinen Befunden, KI-Analyse, Kostenschätzungen und Fotos. Es ist für einen Verkäufer schwerer, gegen einen dokumentierten Bericht zu argumentieren als gegen "mein Kumpel meint, der Motor klingt komisch." skanyx.com/download
Eine unbequeme Wahrheit über Werkstatt-PPIs
Die meisten freien Werkstätten machen eine Sichtprüfung und einen schnellen Code-Scan. Das war's. Sie prüfen keine Bereitschaftstests. Sie ziehen keine anstehenden Codes. Sie zeichnen keine Live-Daten während einer Probefahrt auf. Sie schauen unters Auto, prüfen die Bremsen, schauen sich die Flüssigkeiten an und geben Daumen hoch oder runter. Dafür zahlst du €100-€200. Der ADAC bietet seinen Gebrauchtwagen-Check für ca. €100 an, aber auch der deckt typischerweise die OBD2-Tiefenanalyse nicht umfassend ab.
Ein gründlicher Diagnosescan, den du selbst mit einem €30-Adapter und etwas Wissen durchführst, fängt Dinge ab, die die meisten bezahlten Checks verpassen. Der ideale Ansatz ist beides: mach deinen eigenen Diagnosescan UND lass eine Werkstatt die mechanischen Sachen prüfen, die du nicht sehen kannst (Unterboden, Fahrwerk, Abgasanlage).
Die "Mein Mechaniker hat das schon geprüft"-Falle
Wenn du beim Händler kaufst und der sagt "unser Mechaniker hat das schon geprüft", dann wurde diese Inspektion von jemandem durchgeführt, der für den Verkäufer arbeitet. Frag nach dem Bericht. Wenn es keinen gibt (gibt es meistens nicht), war diese "Prüfung" ein Mechaniker, der auf dem Hof kurz drübergeschaut hat. Mach immer deinen eigenen Check. Der Mechaniker des Verkäufers arbeitet für den Verkäufer, nicht für dich.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Minimum, das ich bei einem Gebrauchtwagen-Check prüfen sollte?Mindestens: vollständiger OBD2-Scan auf gespeicherte, anstehende und aktive Codes plus Prüfung der Bereitschaftstests. Sichtprüfung des Unterbodens auf Rost und Rahmenschäden, Prüfung auf Flüssigkeitslecks, Bremsen und Lenkung testen und Laufleistung gegen TÜV/DEKRA-Unterlagen oder einen Historienbericht abgleichen. Selbst ein Basis-Check wie dieser fängt die Mehrheit der versteckten Probleme ab.
Wer sollte den Gebrauchtwagen-Check bezahlen?Der Käufer, fast immer. Ob du dein eigenes Diagnosetool nutzt oder einen Mechaniker für €100-€250 bezahlst: das ist wenig im Vergleich zu den €2.000-€7.000, die ein Check an Fehlkäufen verhindern kann.
Kann ich bei neueren oder laufleistungsarmen Autos auf den Check verzichten?Würde ich nicht. Hochwasserschäden, Unfälle und Titelprobleme treffen dreijährige Autos mit 40.000 km genauso wie zehnjährige mit 240.000 km. Ein neueres Auto ist in mancher Hinsicht sogar riskanter, weil du mehr zahlst und mehr zu verlieren hast.
Was, wenn der Verkäufer den Check verweigert?Finger weg. Es gibt keinen legitimen Grund, eine Inspektion zu verweigern. Ein Verkäufer, der sagt "das Auto ist in Ordnung, prüfen brauchst du nicht", sagt dir genau das Gegenteil.
Was kann OBD2 NICHT erkennen?Einiges. Bremsbelagstärke, Fahrwerksverschleiß, Karosserierost, Reifenzustand, Innenraumschäden, Klima-Leistung, Servolenkungszustand und der Sichtzustand der Kühlsystemkomponenten sind für den Scanner unsichtbar. Der OBD2-Anschluss ist mit dem Motor- und Abgasmanagement verbunden, nicht mit jedem Teil des Autos. Deshalb arbeiten Sichtprüfung und Scan zusammen: keins allein reicht aus.
Skanyx Team
Experten für Fahrzeugdiagnose
Das Skanyx-Team verbindet Automobil-Expertise mit modernster KI-Technologie, um Autobesitzern zu helfen, ihre Fahrzeuge besser zu verstehen und zu pflegen.
