P0420 Fehlercode: Katalysatorwirkungsgrad unter Schwellenwert, Ursachen und Reparaturkosten
P0420 einfach erklärt: was Katalysatorwirkungsgrad unter Schwellenwert bedeutet, warum es nicht immer der Kat ist, Diagnoseschritte, Reparaturkosten (150 bis 2.500+ €) und wann Sie weiterfahren können.
Ihr OBD2-Scanner zeigt P0420 und Ihr erster Gedanke ist: "Da gehen zweitausend Euro für einen neuen Kat drauf." Aber hier kommt die gute Nachricht: In vielen Fällen wird P0420 durch eine defekte Lambdasonde, ein Abgasleck oder ein zugrunde liegendes Motorproblem ausgelöst, nicht durch den Katalysator selbst. Bevor Sie in Panik geraten, lassen Sie uns herausfinden, was wirklich los ist.
Was P0420 bedeutet (die Kurzversion)
Die Aufgabe Ihres Katalysators ist Chemie: Er nimmt Kohlenmonoxid (CO), Kohlenwasserstoffe (HC) und Stickoxide (NOx) aus dem Abgas und wandelt sie in Wasserdampf, Stickstoff und Kohlendioxid um. Wenn er richtig funktioniert, "verbraucht" er bei dieser chemischen Reaktion effektiv Sauerstoff.
Ihr Fahrzeug überwacht das mit zwei Lambdasonden: eine vorgeschaltet (vor dem Katalysator) und eine nachgeschaltet (dahinter). Die vorgeschaltete Sonde schwankt schnell, da der Motor ständig das Kraftstoffgemisch anpasst. Die nachgeschaltete Sonde sollte, wenn der Kat seine Arbeit erledigt, ein deutlich gleichmäßigeres, stabileres Signal zeigen.
Wenn die nachgeschaltete Sonde anfängt, die schnellen Schwankungen der vorgeschalteten Sonde nachzuahmen, erkennt das Motorsteuergerät (ECU/PCM), dass der Katalysator Sauerstoff nicht mehr richtig speichert und freisetzt. Dann wird P0420 gesetzt.
P0430 ist derselbe Code für Bank 2. Das ist relevant, wenn Sie einen V6 oder V8 mit Katalysatoren auf beiden Seiten haben.
Wichtiger Hinweis zu Sensortypen: Die in diesem Leitfaden beschriebene spannungsbasierte Diagnose bezieht sich auf konventionelle Sprung-Lambdasonden (Narrowband), die zwischen etwa 0,1 V und 0,9 V wechseln. Viele moderne Fahrzeuge, besonders im deutschen Markt (VW, Audi, Skoda, Seat, BMW und Mercedes ab etwa Baujahr 2005), verwenden stattdessen Breitbandlambdasonden. Das ist in Deutschland besonders relevant, da VAG-Fahrzeuge, BMW und Mercedes den Markt dominieren und fast ausnahmslos Breitbandsonden als vorgeschaltete Sensoren einsetzen. Breitbandlambdasonden zeigen einen Lambda-Wert statt einer Schaltspannung an. Bei einer Breitbandsonde achten Sie auf einen stabilen Wert nahe Lambda 1,0 (etwa 14,7:1 Luft-Kraftstoff-Verhältnis) an der vorgeschalteten Sonde und einen gleichmäßigen nachgeschalteten Wert, der sich vom vorgeschalteten Muster unterscheidet. Die Diagnoselogik bleibt dieselbe: Wenn die nachgeschaltete Sonde die vorgeschaltete eng spiegelt, erledigt der Katalysator seine Arbeit nicht.Symptome
P0420 selbst erzeugt nicht immer offensichtliche Symptome jenseits der Motorkontrollleuchte. Aber je nachdem, wie weit der Katalysator verschlissen ist, könnten Sie bemerken:
- Leicht erhöhter Kraftstoffverbrauch, typischerweise 2 bis 5 %. Ein stärkerer Anstieg (5 bis 10 %) deutet meist auf ein zugrunde liegendes Motorproblem wie Fehlzündungen oder zu fettes Gemisch hin, das sowohl den Kat schädigt als auch den Verbrauch verschlechtert.
- Ein schwefliger oder "faule Eier"-Geruch aus dem Auspuff
- Nicht bestandene Hauptuntersuchung (HU/TÜV). P0420 führt fast sicher zum Nichtbestehen der HU.
- Reduzierte Motorleistung (in schweren Fällen, wenn der Katalysator physisch verstopft ist)
- Ein Rasselgeräusch unter dem Fahrzeug (wenn der Keramikkern bzw. Monolith des Katalysators zerbricht)
Wenn der Katalysator so weit defekt ist, dass er den Abgasstrom physisch blockiert, spüren Sie einen deutlichen Leistungsverlust, besonders beim Beschleunigen. Das kommt selten vor, ist aber gut zu wissen.
Häufige Ursachen (nach Wahrscheinlichkeit geordnet)
Alternder Katalysator (häufigste Ursache)
Nach 150.000+ Kilometern degradiert die innere Wabenstruktur (Keramikkern/Monolith) des Katalysators. Die Edelmetalle (Platin, Palladium, Rhodium), die die chemischen Reaktionen katalysieren, werden kontaminiert, das Keramiksubstrat zerfällt, und der Wirkungsgrad fällt unter den Schwellenwert. Das ist natürlicher Verschleiß: Katalysatoren halten nicht ewig.
Wenn der Code allmählich bei einem Fahrzeug mit hoher Laufleistung ohne andere Probleme aufgetaucht ist, ist dies die wahrscheinlichste Ursache. Kosten: 500 bis 2.500 € für Teile und Arbeitszeit. Europäische Fahrzeuge mit integrierten Krümmerkatalysatoren (verbreitet bei vielen VW-, BMW- und Mercedes-Modellen) können auch über 3.000 € kosten.
Defekte nachgeschaltete Lambdasonde (häufig, ca. 25 bis 35 % der Fälle)
Genau deshalb sollten Sie niemals die Diagnose überspringen und direkt zum Katalysatortausch übergehen. Die nachgeschaltete Lambdasonde ist das Bauteil, das den Katalysatorwirkungsgrad überwacht. Wenn diese Sonde träge ist, falsch abliest oder unregelmäßige Spannungen liefert, löst sie P0420 aus, selbst bei einem völlig gesunden Katalysator.
Eine intakte Sprung-Lambdasonde (Narrowband) an der nachgeschalteten Position sollte relativ stabile Werte im Bereich von 0,4 bis 0,6 V anzeigen. Wenn die Werte unregelmäßig sind, bei einer festen Spannung festsitzen oder das schnelle Schalten der vorgeschalteten Sonde spiegeln, ist die Sonde das Problem. Kosten: 150 bis 300 € mit Arbeitszeit, 50 bis 150 € nur für das Teil. OEM-Breitbandlambdasonden bei deutschen Fahrzeugen können allein für das Teil 150 bis 300+ € kosten.
Abgasleck vor dem Katalysator (weniger häufig)
Ein Leck in der Abgasanlage vor dem Katalysator lässt frische Außenluft in den Abgasstrom eindringen, was die Lambdasonden verwirrt. Das ist besonders häufig nach kürzlichen Auspuffarbeiten oder bei älteren Fahrzeugen mit rostigen Krümmerdichtungen.
Anzeichen: ein lauterer Auspuff als normal, sichtbare Rußspuren an Verbindungsstellen oder ein Zisch- bzw. Tickgeräusch, das mit der Drehzahl zunimmt (besonders bei kaltem Motor, bevor thermische Ausdehnung die Spalten abdichtet). Kosten: 80 bis 300 €.
Zugrunde liegendes Motorproblem (weniger häufig)
Anhaltende Fehlzündungen schicken unverbrannten Kraftstoff in den Katalysator. Ein zu fett laufender Motor beschichtet das Katalysatormaterial. Ölverbrennung kontaminiert die Edelmetalle. In all diesen Fällen ist der Katalysator ein Opfer, nicht die eigentliche Ursache. Wenn Sie P0420 zusammen mit Fehlzündungscodes (P0300-Serie), Mager-/Fett-Codes (P0171/P0172) sehen oder Ihr Motor Öl verbrennt, beheben Sie zuerst das Motorproblem. Der Katalysator kann sich erholen, sobald er nicht mehr geschädigt wird.
Ein magerlaufender Motor kann den Katalysator ebenfalls durch Überhitzung beschädigen. Wenn Sie P0171 (Gemisch zu mager) zusammen mit P0420 sehen, ist die Magerlauffbedingung wahrscheinlich die zugrunde liegende Ursache.
Kraftstoff- oder Flüssigkeitskontamination (selten)
Schlechter Kraftstoff, Öl im Abgas durch verschlissene Ventilschaftdichtungen oder Kühlmittel, das durch eine defekte Zylinderkopfdichtung in die Brennräume gelangt: All das kann den Katalysator kontaminieren. Wenn P0420 nach dem Tanken an einer unbekannten Tankstelle auftauchte oder Sie weißen oder blauen Rauch aus dem Auspuff sehen, ist Kontamination eine Überlegung wert.
Diagnose: Wie Sie die tatsächliche Ursache herausfinden
Schritt 1: Alle Fehlercodes auslesen
P0420 allein ist eine Sache. P0420 zusammen mit Fehlzündungscodes, Mager-Codes oder Lambdasonden-Codes erzählt eine völlig andere Geschichte. Lesen Sie zuerst alles aus.
- P0300-Serie (Fehlzündungen) = dringend, Fahren sofort einstellen. Fehlzündungen zerstören Katalysatoren.
- P0171/P0172 (mager/fett) = kann den Katalysator über die Zeit geschädigt haben
- P0135 bis P0161 (Lambdasonden-Codes) = Sondenproblem, wahrscheinlich nicht der Katalysator
Schritt 2: Lambdasonden-Werte prüfen
Mit Live-Daten von Skanyx oder einem anderen Scanner, der die Lambdasonden-Spannung anzeigt, vergleichen Sie die Signalmuster der vor- und nachgeschalteten Sonde:
- Vorgeschaltete Sonde (Narrowband): Sollte schnell zwischen ca. 0,1 V und ca. 0,9 V wechseln
- Nachgeschaltete Sonde (Narrowband): Sollte relativ stabil sein, im Durchschnitt 0,4 bis 0,6 V
Wenn die nachgeschalteten Werte die vorgeschalteten Werte eng spiegeln, funktioniert der Katalysator tatsächlich nicht. Wenn die nachgeschalteten Werte feststecken oder auf eine Art unregelmäßig sind, die nicht zum vorgeschalteten Muster passt, ist die Sonde selbst verdächtig.
Die KI-Analyse von Skanyx kann auffällige Lambdasonden-Werte erkennen und dabei helfen festzustellen, ob eher die Sonde oder der Katalysator das Problem ist. Kostenlos testen auf skanyx.com/download
Schritt 3: Sichtprüfung
Suchen Sie nach Abgaslecks: Rußspuren, Rostlöcher, lockere Verbindungen. Hören Sie auf Zischen oder Ticken. Prüfen Sie den Katalysator auf physische Schäden (Dellen, Durchrostung). Schütteln Sie den Katalysator (vorsichtig, wenn kalt) und achten Sie auf Rasselgeräusche. Rasseln zeigt an, dass der Keramikkern im Inneren zerfallen ist.
Schritt 4: Der Temperaturtest
Wenn Sie ein Infrarotthermometer haben (für 15 bis 25 € erhältlich), ist das ein wirklich nützliches Diagnosewerkzeug. Messen Sie die Temperatur am Katalysator-Einlass und -Auslass. Der Auslass sollte 10 bis 20 % heißer sein als der Einlass, da die chemische Reaktion Wärme erzeugt. Bei älteren Fahrzeugen oder Motoren, die nicht sauber laufen, kann der Unterschied 30 bis 55 °C oder mehr betragen. Moderne, verbrauchsoptimierte Motoren, die sauber laufen, zeigen möglicherweise einen geringeren Temperaturanstieg. Ein bescheidener Unterschied bedeutet also nicht unbedingt, dass der Katalysator defekt ist.
Wenn der Auslass die gleiche Temperatur oder eine niedrigere Temperatur als der Einlass hat, katalysiert der Kat nicht richtig.
Schritt 5: Sauerstoffspeicher-Kapazitätstest
Eine Fachwerkstatt kann einen Sauerstoffspeicher-Kapazitätstest (Oxygen Storage Capacity Test) durchführen. Das ist die aussagekräftigste Diagnose für den Zustand des Katalysators. Dabei wird der Motor gezielt fett und dann mager gesteuert, und es wird gemessen, wie lange die nachgeschaltete Sonde braucht, um zu reagieren. Ein gesunder Katalysator verzögert die Reaktion, weil er Sauerstoff speichert und wieder freisetzt. Ein defekter Katalysator lässt die Änderung sofort durch, und die nachgeschaltete Sonde reagiert nahezu sofort.
Schritt 6: Softwareupdates prüfen (Technische Servicehinweise)
Bei manchen Fahrzeugen löst ein PCM-/ECU-Softwareupdate das P0420-Problem, ohne dass Hardware getauscht werden muss. Hersteller veröffentlichen Technische Servicehinweise (TSBs), wenn sie feststellen, dass die ursprüngliche Kalibrierung fälschlich P0420 auslöst. Das kommt bei bestimmten VW-, Skoda- und Toyota-Modellen vor, aber auch bei anderen Marken. Fragen Sie Ihren Vertragshändler oder eine Werkstatt mit Herstellerzugang nach TSBs für Ihr Fahrzeug, bevor Sie sich für einen Hardwaretausch entscheiden.
Schritt 7: Fahrzeughistorie prüfen
Laufleistung über 150.000 km? Natürliche Alterung. Kürzliche Motorprobleme, die nicht behoben wurden? Wahrscheinlich sekundär den Katalysator beschädigt. Ölverbrauchsprobleme? Kontamination über die Zeit.
Aufschlüsselung der Reparaturkosten
| Reparatur | Teile | Arbeitszeit | Gesamt | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|---|
| Lambdasonden-Austausch | 50-150 € | 100-200 € | 150-300 € | Häufig (ca. 25-35 %) |
| Abgasleck-Reparatur | 20-50 € | 60-250 € | 80-300 € | Weniger häufig |
| ECU-Softwareupdate | - | 50-150 € | 50-150 € | Fahrzeugspezifisch |
| Katalysator-Austausch | 300-1.800 € | 200-700 € | 500-2.500+ € | Häufigste Ursache |
Können Sie weiterfahren?
Mit nur P0420 und keinen weiteren Codes, ohne ruckelnden Motor, ohne seltsame Gerüche: ja, kurzfristiges Fahren ist in Ordnung. Der Katalysator funktioniert noch, nur mit reduziertem Wirkungsgrad. Die Hauptkonsequenzen sind das Nichtbestehen der HU und ein leicht erhöhter Kraftstoffverbrauch.
Stellen Sie das Fahren sofort ein, wenn Sie P0420 zusammen mit Fehlzündungscodes (P0300-Serie), eine blinkende Motorkontrollleuchte oder spürbaren Leistungsverlust haben. Leistungsverlust könnte darauf hinweisen, dass der Katalysator den Abgasstrom physisch blockiert. Das ist selten, aber ernst, und eine potenzielle Brandgefahr durch extreme Hitze.
Prävention
Katalysatoren versagen aus zwei Gründen: Alter und Misshandlung. Gegen Alterung können Sie nichts tun, aber Misshandlung können Sie verhindern:
- Beheben Sie Fehlzündungen sofort. Jeder fehlgezündete Verbrennungszyklus schickt unverbrannten Kraftstoff in den Katalysator.
- Ignorieren Sie Ölverbrauch nicht. Öl beschichtet die Edelmetalle im Katalysator und reduziert deren Wirksamkeit über die Zeit.
- Halten Sie Ölwechselintervalle ein. Guter Ölzustand bedeutet weniger Blow-by und weniger Kontamination, die den Katalysator erreicht.
- Tanken Sie Qualitätskraftstoff. Konstante Kraftstoffqualität reduziert das Kontaminationsrisiko.
- Beheben Sie Abgaslecks zeitnah. Sie verwirren die Lambdasonden und können zu fehlerhafter Gemischbildung führen, die den Katalysator zusätzlich belastet.
Ein monatlicher OBD2-Scan fängt sich entwickelnde Probleme ab, bevor sie eskalieren. Eine 50-€-Lambdasonden-Reparatur jetzt verhindert einen 2.000-€-Katalysatortausch später.
Ein monatlicher Scan mit Skanyx verfolgt den Zustand Ihres Fahrzeugs über die Zeit. Wenn die Kraftstoff-Trimmwerte beginnen, nach oben zu kriechen, oder die Ansprechzeiten der Lambdasonden langsamer werden, erkennen Sie den Trend, bevor er zu einem P0420-Code und einem möglichen Katalysatortausch wird. Skanyx kostenlos herunterladen auf skanyx.com/download
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Skanyx Team
Experten für Fahrzeugdiagnose
Das Skanyx-Team verbindet Automobil-Expertise mit modernster KI-Technologie, um Autobesitzern zu helfen, ihre Fahrzeuge besser zu verstehen und zu pflegen.
